Thomas Willi

«Mir war immer klar, dass ich mein eigener Chef sein möchte.»

Thomas Willi, Wissenschaftlicher Assistent IPZ und Firmeninhaber politan GmbH

Ausgerechnet Politikwissenschaft – wieso diese Studienwahl?

Mein Elternhaus hat mich geprägt. Mein Vater war politisch in einer Sektion aktiv und da haben wir viel am Esstisch politisiert.

Was fasziniert dich an dem Fach?

Ich habe mich immer sehr für die Metafragen der Gesellschaft interessiert, wie sie in der Politischen Philosophie diskutiert werden. Die Bedeutung von Methoden und Statistik hatte ich zu Beginn nicht auf dem Radar, erst als ich den Master angefangen und mich im Datenjournalismus spezialisiert habe. Im Seminar haben wir eine interaktive Darstellung zu Flugdaten gesehen. Der Dozent zeigte uns, wie wir diese schliesslich selbst erstellen können. Da wusste ich, das ist meins.

Hattest du ein klares Bild davon, was dich im Studium erwartet?

Nein, mein Studium ist nicht gradlinig verlaufen. Ich hatte zwischendurch Schwierigkeiten, für mich die richtigen Themen zu finden. Neben Politischer Philosophie war es vor allem die Schweizer Politik, die mich interessiert hat.

Hast du Dinge gelernt, die dir heute in deinem Beruf helfen?

Alle Politikstudenten kennen das, diese nervigen Fragen bei Familienfeiern: Wirst du jetzt Bundesrat? Im Studium habe ich gemerkt, die wenigsten Leute sind Experten, weil sie besonders clever sind, sondern weil sie sich intensiver als andere mit einem Thema beschäftigen. Aber eine konkrete Berufsqualifikation ist das natürlich nicht.

Also konkret?

Ich habe im Studium nicht das Politisieren gelernt und so konnte ich auch bei den Familiendebatten unter dem Christbaum nicht immer mitreden. Man lernt aber sehr gut das «Ja, aber», das genaue Analysieren komplexer Themen, die Grundkomponente jedes wissenschaftlichen Arbeitens. Was für die Berufswelt hilft, ist der differenzierte Blick.

Hattest du konkrete Pläne nach dem Studium?

Nein, das war für mich vollkommen offen. Ich bin über den zweiten Bildungsweg gekommen. Das hat mich geprägt. Zuerst habe ich eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Mir war immer klar, dass ich etwas Selbstständiges machen möchte, mein eigener Chef sein.

Was genau machst du zur Zeit?

Im Grunde habe ich jetzt zwei Berufe – mein eigener Chef mit meiner Firma und zugleich Wissenschaftler im Rahmen meiner Doktorarbeit. Mein Unternehmen ist aus dem Blog im Rahmen des Datenjournalismus Seminars entstanden. Wir erhalten Anfragen zu Datensätzen und was man mit diesen anfangen kann. Die Entscheidung zur beruflichen Selbständigkeit ist gewachsen. Ich wollte Schweizer Politik und Datenjournalismus verbinden und dann hat sich dies immer weiterentwickelt. Verbunden mit der praktischen Arbeit war auch immer der kleine Wunsch, dass man den politischen Diskurs in der Schweiz beeinflusst.

Gefällt dir eins von beiden besser?

Im Moment bin ich sehr glücklich mit der Wissen- schaft, weil sie mir noch mehr Freiheiten gibt. Sicher werde ich meine Firma weiterführen, weil es eine spannende Verbindung zwischen Wissenschaft und praktischen Arbeiten ist.

Auf welche Erfahrungen aus dem Studium möchtest du nicht verzichten?

Was mich sehr geprägt hat, war die Methodenausbildung für meine Skills. Dass ich mich durch Aufgaben wirklich durchbeissen musste, dranbleiben, auch wenn man schon fünf Stunden versucht, etwas zu verstehen und es immer noch nicht klappt. Das Aushalten lernen und weitermachen. Auch Unsicherheiten auszuhalten, wenn man nicht genau weiss, was kommt.