Yvonne Ruckli

«Mein Beruf ist sehr vielfältig, kein Tag ist wie der andere!»

Yvonne Ruckli Leiterin Interne Kommunikation & stv. Mediensprecherin der CKW

Warum hast du Politikwissenschaft studiert?

Nach dem Gymi hatte ich keine genaue Idee davon, was ich machen soll. Weil viele Wirtschaft studiert haben, habe ich das auch gemacht. Schnell war mir klar, dass das nicht das Richtige für mich ist. Weil ich schon immer politisch aktiv war, bin ich dann in die Schnuppervorlesungen gegangen und habe realisiert, dass es keine «Politiker-Ausbildung» ist. Mich haben vor allem die Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fasziniert, die Breite des Studiums.

Frust im Studium – wie bist du damit umgegangen?

Jeder kennt die Zweifel: Wofür mache ich das eigentlich? Vor allem bei den Methoden weiss man zuerst nicht, wofür die gut sind. Das merkt man erst später, im Master und im Beruf selbst. Leider sagen viele immer, Politikwissenschaft sei ein «brotloses» Studium. Da denkt man schon mal: Besser doch gleich Medizin studieren? Ein Generalistenstudium zwingt dazu, sich bewusster mit der Jobsuche auseinanderzusetzen. Vor allem im Master hat es mir sehr geholfen, sich für einen Studienschwerpunkt zu entscheiden. Das war bei der Bewerbung sehr hilfreich.

Wie bist du zu deinem jetzigen Job gekommen?

Ich wollte schon immer in eine Branche, die im Spannungsfeld von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liegt. Daraufhin habe ich mich blind bei Unternehmen beworben, bei denen ich das Unternehmen selbst und die Branche interessant fand. Meine jetzige Stelle war nicht ausgeschrieben, allerdings kannte ich bereits jemanden im Unternehmen.

Helfen dir heute in deinem Beruf bestimmte Fähigkeiten, die du im Studium erworben hast?

Das Studium hat mich gelehrt, sich systematisch mit Problemen auseinander zu setzen. Das klingt banal, aber es ist im Beruf nicht anders als im Studium. Vor allem während der Masterarbeit, wenn man manchmal nicht weiss, wie es weitergehen soll, entwickelt man Fertigkeiten, sich etwas zu erarbeiten und systema- tisch vorzugehen. Für meinen jetzigen Job – interne Kommunikation – sind die Fachinhalte weniger relevant als die Methoden. Das ist einem im Studium oft noch nicht so bewusst.

Hat dir etwas den Berufseinstieg erleichtert?

Jobs und Praktika, vor allem, wenn sie inhaltlich passen. Man lernt so auch, was man beruflich auf keinen Fall möchte – in meinem Fall war das ein Praktikum bei einer Beratungsagentur. Inhaltlich spannend, aber ich bin kein Verkäufertyp. Ich wollte dann doch lieber auf die Unternehmensseite, wo ich klar für eine Aufgabe zuständig und ein Teil des Unternehmens bin. Das habe ich aber erst im Praktikum gesehen. Ganz wichtig für mich war das Austauschsemester in Schweden! Man merkt in jeder Hinsicht, dass man anpassungsfähig ist. Bei den Bewerbungen waren die Noten gar nicht gefragt – aber alle wollten wissen, was ich noch ausserhalb des Studiums gemacht habe. Die Arbeitgeber wollen sehen, dass man bereit ist, die «extra Meile» zu gehen, das wird sehr geschätzt.

Was findest du an deinem Beruf toll?

Mein Beruf ist sehr vielfältig, kein Tag wie der andere! Die interne Kommunikation von «unten» gegen «oben» und umgekehrt so sicher zu stellen, dass sich am Ende alle vertreten fühlen, ist eine spannende Aufgabe. Es sind so viele Themen, von IT-Plattformen über psychologische Themen bis hin zur Politik – ich habe mit sehr unterschiedlichen Menschen und Fragen zu tun!

Gefällt dir an deiner Arbeit etwas besser als am Studium?

Einerseits ist die Aufgabenstellung im Studium einfacher, da weiss man: Das ist jetzt mein Prüfungsstoff, das muss ich lernen, danach gibt es eine Note. Im Job ist es oft nicht so klar, wie man seine Aufgabe erfüllen soll, auch das Feedback ist weniger direkt. Andererseits gefällt es mir im Beruf, dass ich jeden Tag genau weiss, was der Output vom Tag ist, das Gemachte ist greifbar. Im Studium war so vieles in die Zukunft gerichtet, viel abstrakter, das fand ich manchmal schwieriger.

Ist der Job heute so, wie du ihn dir vorgestellt hast?

Es gefällt mir super, obwohl ich im Studium nie gedacht hätte, dass ich interne Kommunikation machen werde. Ich tendierte zuerst viel stärker zu Public Affairs und Medienarbeit. Es ist aber auch eine Chance, etwas Neues auszuprobieren!

Hast du einen wilden Wunsch oder Traum?

Hmmm… Privates ist privat... Aber im beruflichen Kontext wäre das Coolste, einmal Bundesrätin zu werden. Das muss zwar nicht genau so passieren. Aber vielleicht gibt es etwas, was ich mit meinem Beruf kombinieren könnte, z. B. Nationalrätin? Ich werde sicher jemand bleiben, der sehr engagiert an der vordersten Front mitkämpft!