Ilona Meier

«Mein Fach hat mich sehr im vernetzten Denken geschult.»

Ilona Meier, Produktmanagerin Gemüse & Kartoffeln Bio Suisse

Ist dir der Berufseinstieg rasch geglückt?

In der Willkommensveranstaltung zu Beginn meines Studiums sagte man uns, dass wir sowieso keinen Job bekommen würden. Ich habe mich in ganz verschiedenen Bereichen beworben und dann den Job bei Bio Suisse gesehen. Die Anforderungen waren Ahnung von Landwirtschaft und von Marketing. Et voilà – Marketing habe ich als Studienjob in einer kleinen Firma in der Druckindustrie kennengelernt – konkret an einem Newsletter mitgearbeitet und Messen organisiert, was auch unter Marketingerfahrung fällt. So hat es dann gepasst.

Die Jobs während des Studiums waren also wichtig?

Ja, sehr, sie hatten immer mit dem Thema «Umwelt» zu tun. Aber nicht nur: Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, in einer sehr politischen Familie. Ich war auch in der Schweizer Jugendsession aktiv. Deshalb lag es nahe, dass ich mich für Politikwissenschaft entschieden habe. Umwelt als Thema meines Berufs war schon immer mein Traum. Deswegen habe ich auch meine Jobs immer in diesem Bereich ausgewählt, z. B. bei der ProNatura. Die waren natürlich nicht immer hochqualifiziert... Flugblätter und Schriften eintüten etc. Aber so konnte ich gut in die Berufswelt hineinschauen. Dann habe ich ein Praktikum beim Bundesamt für Landwirtschaft gemacht und konnte dort noch ein wenig länger bleiben.

War es denn überhaupt entscheidend, welches Fach du studiert hast?

Mein Fach hat mich im vernetzten Denken geschult. Das hilft mir heute sehr. Und vor allem die Statistik: Ich mache selbst Studien zur Markttransparenz über Flächen und Mengen und da wende ich sehr viel Statistik an. Auch das Schreiben – in meinem Job ist das entscheidend. Das wird in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern so nicht gefördert. Ebenso wie das Verständnis der Schweizer Politik und ihren Dynamiken – ich arbeite in einem Verband, der schweizweit tätig ist. Bio Suisse arbeitet eng mit anderen Verbänden zusammen und es hilft enorm, wenn man politische Prozesse sehr gut durchschaut, besonders, wie viele Entscheidungen im Hintergrund ablaufen. Es gibt immer wieder Momente im Job, da merke ich, dass mir bestimmte Prozesse und Konsequenzen vollkommen klar sind, die andere überhaupt nicht auf dem Radar haben. Das ist ein Vorteil für meinen Job.

Hast Du einen Rat für unsere zukünftigen Absolventen?

Auf jeden Fall während des Studiums jobben – auch wenn es noch so kleine Jobs sind: Ich habe Leute kennengelernt, an Kampagnen mitgearbeitet, viel gesehen, viel ausprobiert. Diese Leute treffe ich heute immer wieder in unterschiedlichen Funktionen. Ganz wichtig ist es, das Netzwerk aufzubauen. Im Studium hatten wir immer die Karriereveranstaltungen und da hiess es, du musst «netzwerken». Ich dachte: «So ein Blödsinn, diese Alumni Veranstaltungen...» Aber wenn ich zurückblicke, habe ich genau das gemacht.

Woran denkst du besonders gern zurück?

An meine Lernsessions mit Kollegen in der Bibliothek – immer samstags. Das war eine tolle Zeit. Wir haben zusammen gelernt, wer als letzter gekommen ist, musste den Kaffee zahlen. Gemeinsam Mittagessen und sich gegenseitig motivieren, viel diskutieren... Rückblickend meine schönste Zeit – das war richtiges Studieren, wie man es sich vorstellt. Und natürlich die Freundschaften daraus, die bis heute besonders sind.

Auf was möchtest du rückblickend nicht verzichten?

Das Studium war sehr spannend, abwechslungsreich, hatte viele Wahlmöglichkeiten; auch, dass ich über den Tellerrand in andere Fachgebiete schauen konnte – Auswahlmöglichkeiten und -breite haben mir sehr gefallen. Wenn ich nochmal studieren würde, würde ich vermutlich das Gleiche wählen. Spannende Seminare, kleine Gruppen – das war super.

Bereust du etwas im Nachhinein?

Ich hätte ein Auslandsjahr einschieben sollen, auch wenn sich dadurch meine Studienzeit verlängert hätte – viele meiner Kolleginnen haben das gemacht und es erweitert den Horizont, das Sprachtraining, neue Kulturen. Heute in meinem Job eine «Auszeit» dafür zu nehmen, ist viel komplizierter. Die Uni legt einem diese Chance quasi zu Füssen, da muss man einfach zugreifen.

Hast du Ziele für die Zukunft?

Darüber mache ich mir aktuell keine Gedanken, weil ich gesehen habe, dass man immer irgendwo hinkommt. Aber wenn ich ein generelles Ziel hätte, dann, dass ich immer weiter lernen kann. Mich fortbilden in Themen, die neu in meinem Beruf dazukommen. Ich habe vier Monate während des Studiums für die DEZA in einem Entwicklungsprojekt in Bangladesch gearbeitet. Ich könnte mir gut vorstellen, da einmal wieder anzuknüpfen.