Sandro Kanits

«Ich kenne niemanden, der keinen Einstieg gefunden hat.»

Sandro Kanits, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Finanzdepartement Kanton Obwalden.

Bist du auf dem ‘klassischen Weg’ zu deinem heutigen Job gekommen?

Ja, ich habe mich ganz normal beworben, also mit Bewerbungsschreiben, CV und Referenzen, allem Drum und Dran. Am meisten hat es mir geholfen, dass ich direkt davor ein Praktikum beim Bundesparlament gemacht habe in einer ähnlichen Position.

Was magst du an deinem Beruf?

Ich bin erst drei Monate dabei, habe aber Ähnliches direkt vorher gemacht – die Abwechslung ist toll. Ich arbeite beim Departementssekretariat und mit verschiedenen Ämtern. Dadurch habe ich viele unterschiedliche Themen und daneben noch Projekte, die ich selbst bestimmen kann. Das finde ich am Spannendsten: Ich weiss am Montag nicht, womit ich am Freitag aufhören werde!

Warum hast du gerade Politikwissenschaft studiert?

Generell das Interesse an Politik. Obwohl ich selbst nicht aktiv bin, wollte ich immer wissen, wie die Prozesse funktionieren, wie die verschiedenen Akteure handeln, warum politische Systeme so unterschiedlich sind und mit welchen Folgen. Ich habe Infoveranstaltungen besucht, Broschüren angeschaut und gesehen, dass es genau die Themen des Politikstudiums sind. Das Studium hat dann meinen Erwartungen absolut entsprochen.

Kannst du bestimmte Fähigkeiten, die du im Studium erworben hast, in deinem Beruf anwenden?

Zum einen die Fachkenntnisse, zu wissen, wer die Akteure im politischen System sind und auch Themen aus der politischen Ökonomie. Das Wichtigste aber jetzt sind die Skills, das «Handwerk» – vor allem das Schreiben. Eine Medienmitteilung, eine Studie, Berichte – das lernt man im Studium gründlich und ich brauche es jeden Tag. Auch lernst du das selbstständige Arbeiten, die Methoden. Im Bewerbungsprozess habe ich erfahren, wie sehr das geschätzt wird. Im Job ist es nicht anders als im Seminar, man geht ganz ähnlich vor, um ein Projekt zum Abschluss zu bringen.

Haben dir zusätzliche Erfahrungen den Berufseinstieg erleichtert?

Ganz sicher die Jobs während des Studiums. Da sammelt man immer Erfahrungen, egal wie gross sie sind. Hauptsache nicht ohne Praxis aus dem Studium in den Beruf kommen! Wenn man Glück hat, findet man so auch schon während des Studiums den Job für danach.

Gefällt dir am Studium etwas besser als am Berufsleben?

Es ist nicht das eine per se besser oder schlechter. Im Job sind Arbeit und Freizeit klarer getrennt, wenn ich die Bürotür hinter mir zumache, ist der Job für den Tag erledigt. Im Studium ist das nicht so, da hat man immer noch etwas nachzuholen, auch oft am Wochenende. Dafür kann man seine Arbeitszeit individuell einteilen.

Sieht deine Arbeit heute so aus, wie du sie dir vorgestellt hast?

Ja und nein. Ich hatte nicht so klare Erwartungen. Bei der Politikwissenschaft gibt es so etwas Offenes, nicht Definiertes – das spricht für das Fach und gefällt mir. Aber ich wollte schon etwas in dem Themenbereich machen, so hat der Job also die Erwartungen durchaus erfüllt.

Auf welche Erfahrungen aus deiner Studienzeit möchtest du nicht verzichten?

Auch wenn ich während der Masterarbeit öfters dachte: Das wird wohl nichts mehr! Auf die Erfahrung, etwas Grosses von Grund auf selbst erarbeitet zu haben, möchte ich nicht verzichten. Auch der Austausch mit anderen Studierenden und generell die Möglichkeit, miteinander zu diskutieren, sich auszutauschen, ist mit das Wichtigste am ganzen Studium. Ich würde heute eher einen Monomaster machen und auf das Nebenfach verzichten, so ein kleines Nebenfach im Master lohnt sich nicht wirklich. Im Bachelor aber schon!

Gibt es wichtige Erkenntnisse, die du aus dem Studium mitgenommen hast?

Selbst- initiative und Eigenverantwortung, auf jeden Fall! Die nutzen einem sehr für die persönliche Weiterentwicklung. Ein Dozent hat es mal so gesagt: «Oben rechts bei der Arbeit steht dein Name – also sieh zu, dass die Arbeit gut wird». Das kann man im Beruf wie privat immer gut befolgen.

Was würdest du jemandem raten, der Politikwissenschaft studieren möchte?

Ein Grundinteresse an Politik muss da sein. Das Studium bietet so viele Möglichkeiten, ohne sich zu verzetteln, dass man sicher auch ein Thema für sich findet. Ich glaube, auch deswegen sind wir «Polito» Absolventen sehr gefragt – ich kenne niemanden, der gar keinen Einstieg gefunden hat. Manchmal muss man ein bisschen Geduld haben, aber dann klappt es auch.