Michael Elsener

«Ich erlebe heute viel weniger Frust als während des Studiums.»

Michael Elsener, Kabarettist in der Schweiz und Deutschland

Warum hast du Politikwissenschaft studiert?

Mich interessierte schon als Teenager sehr, was abgeht auf der Welt. Ich suchte mehr Einordnung, Vertiefung und das hat mir dieses Studium geboten. Zudem wollte ich Journalist werden.

Wie bist du mit Frust im Studium umgegangen?

Wir haben bei Frust jeweils lange Abende im Niederdorf verbracht, Rotwein getrunken und philosophiert. Meist zusammen mit den Dozenten. Ehrlicherweise erlebe ich heute viel weniger Frust als während des Studiums. Die Profs kann man sich ja selten aussuchen, meine jetzigen Mitarbeiter und Geschäftspartner kann ich selber wählen.

Dein spezieller Job – wie kam es dazu?

Ich habe mich nach dem Studium bei mir selber beworben – und hab die Stelle nach etwas Bedenkzeit gekriegt.

Hast du im Studium Fähigkeiten erworben, die du heute in deinem Beruf anwenden kannst?

Ich glaube, das klare Denken, das hilft mir definitiv, wenn ich versuche komplexe Sachverhalte einfach und mit einer Pointe rüberzubringen.

Haben dir zusätzliche Erfahrungen den Berufseinstieg erleichtert?

Ein toller Nebeneffekt des Studiums war, dass ich den «Ernst des Lebens» noch etwas hinauszögern konnte. Ich konnte während des Studiums ganz viele Auftritte machen, ohne dass es gleich richtig funktionieren musste, weil ich immer sagen konnte: «Ich bin Student.»

Was für Interessen hast du heute im Vergleich zum Studium?

Ich merke, dass ich heute wieder wissensdurstiger bin. Im Studium wurde ich derart zugedröhnt mit Wissen, dass ich gar nicht mehr wirklich schätzen konnte, wie privilegiert ich gerade bin, dass ich jeden Tag viel Neues lernen kann. Heute bin ich am Arbeiten, gebe quasi mehr Output, als dass ich Input bekomme. Darum setze ich mich heutzutage immer wieder mal gerne an der Uni Zürich in einen Vortrag und hole mir neue Denkanstösse.

Hast du einen wilden Wunsch oder Traum?

Ich bin grad‘ wunschlos glücklich. Ich kann von meiner Passion leben. Das schätze ich jeden Tag extrem.

Welchen Rat würdest du aktuellen Studierenden für den Einstieg in die Berufswelt mit auf den Weg geben?

Ich finde, der Beruf beginnt schon während des Studiums. Wenn ich meine Freunde anschaue, so machen viele jene Jobs, für die sie sich das Rüstzeug schon neben dem Studium geholt haben. Jetzt sind sie einfach in einer höheren Position.

Auf welche Erfahrungen aus deiner Studienzeit möchtest du nicht verzichten und was würdest du anders machen?

Ich würde das Ganze definitiv entspannter angehen. Ein Jahr länger studieren und dafür ein ganzes Praktikumsjahr machen, ist sowas von viel besser, als alles in einem durchzuziehen.

Nenne uns bitte die wichtigsten Erkenntnisse, die du aus dem Studium mitgenommen hast.

Ich würde sagen, ich habe gelernt, selber zu denken. Wenn ich heute eine Statistik sehe, die ganz deutlich einen bestimmten Effekt zeigt, werde ich misstrauisch und schau‘ nach, wer die Statistik in Auftrag gegeben hat, wie ihre Methodik war und frage mich, warum das Ganze genau jetzt publiziert wird.

Und was war das Verrückteste, das du während deiner Studienzeit gemacht hast?

Ich hatte vor der ersten Zwischenprüfung eine Premiere mit anschliessender Premierenfeier und ging mit drei Stunden Schlaf und Restalkohol im Blut zur Prüfung. Ich weiss bis heute nicht, warum ich trotzdem bestanden habe.