Yvonne Debrunner

«Ich erhalte Einblicke in andere Welten, die ich sonst nie hätte.»

Yvonne Debrunner, Wirtschaftsredakteurin Tamedia

Warum hast du Politikwissenschaft studiert?

Angefangen habe ich mit dem Bachelor in Volkswirtschaft in Bern und Politik im Nebenfach. Im Master habe ich dann vollständig zu Politik gewechselt, weil ich keinen Monomaster in VWL machen wollte, der war mir zu abstrakt.

Waren deine Nebenfachwahl und der Wechsel zum Hauptfach Politikwissenschaft für deinen beruflichen Werdegang hilfreich?

Dass ich jetzt in der Wirtschaftsredaktion bin, hat schon etwas damit zu tun, dass ich dieses Interesse ausgebaut habe. Es gibt im Journalismus offenbar nur wenige, die sich für Journalismus und Wirtschaft interessieren, so ist die Konkurrenz nicht so gross, wie im Inlandsjournalismus. Insofern war es relevant dafür, dass ich im Wirtschaftsressort bin, aber dass ich Journalistin werden wollte, das wusste ich eigentlich schon vor dem Studium.

Hat sich die Jobsuche für dich einfach gestaltet?

Ja, es ging recht schnell. Ich hatte bereits während des Studiums viel im Journalismus gearbeitet. Schon mit achtzehn habe ich das erste Praktikum beim Oberländer gemacht und dann dort lang freischaffend geschrieben. Während des Masters kam noch ein Praktikum bei der Handelszeitung in Zürich dazu. Weil es ein 100 % -Job war, musste ich das Studium ein halbes Jahr unterbrechen. Aber für den Berufseinstieg nach dem Master war dies sehr hilfreich.

Was magst du besonders an deinem aktuellen Job?

Am besten gefällt mir, dass ich Einblicke in andere Welten erhalte, die ich sonst nie hätte. An einem Tag geht man in ein Kraftwerk, am nächsten schaut man sich eine Mobilfunkanlage an. Ich kann einfach jeden anrufen und mir ein Thema erklären lassen, das mich interessiert. «Wie funktioniert das eigentlich?» Die nehmen sich Zeit, es mir zu erklären und ich kann es dann dem Leser in möglichst einfachen Worten näherbringen. Ausserdem schreibe ich einfach extrem gern.

Gefällt dir die Studienzeit oder das Berufsleben besser?

Ehrlich gesagt finde ich das Berufsleben fast ein wenig cooler. Während des Studiums hatte ich immer so das Gefühl, dass das doch jetzt die beste Zeit des Lebens ist und man die so richtig geniessen muss. Man ist in der Zeiteinteilung freier und kann auch mal eine Vorlesung auslassen. Die Möglichkeit, sich einmal wirklich intensiv in ein Thema zu vertiefen, wie beispielsweise bei der Masterarbeit ein Jahr lang, ist toll! Aber häufig ist es eher theoretisch. Im Berufsleben ist es wie scharfgestellt und man kann wirklich Einfluss nehmen, wenn man Ambitionen hat. Egal was man schreibt, es lesen viele Leute und das ist auch ein gewisser Druck, einen guten Job machen zu wollen.

Hast du dir deinen Job so vorgestellt?

Ja, vollkommen! Es ist wirklich mein Traumjob – dann frage ich mich schon manchmal, was mach‘ ich denn noch in den nächsten 40 Jahren? Ich habe ja schon das erreicht, was ich wollte. Aber ich mache es jetzt einfach so lange es Spass macht und es den Job so noch gibt. Sonst sehe ich weiter.

Dein guter Rat an unsere Studierenden?

Wichtig finde ich, möglichst schon während des Studiums Berufserfahrung zu sammeln, zum Beispiel ein Praktikum zu machen. Einfach mal Einblicke in verschiedene Bereiche wagen. Vielleicht stellt man dann fest, etwas ist nicht so meins. Aber das ist ja auch eine wichtige Erkenntnis. Barjobs sind okay zum Geldverdienen und machen vielleicht Spass. Zum Einstieg in das spätere Berufsleben sind sie aber nicht unbedingt hilfreich.

Was sind die wichtigsten Dinge, die du im Studium gelernt hast?

Logische Denkweise und strukturiertes Arbeiten. Es mag erstmal komisch sein, aber es hilft, sich eine Fragestellung zu überlegen und Hypothesen zu formulieren – auch wenn ich so natürlich nie einen Artikel schreiben würde. Ich dachte phasenweise im Studium, dass ich gar nicht viel mehr weiss als am Anfang. Dann habe ich ein Tutorat für Erstsemestrige in Politischer Philosophie gegeben. Ich hatte extrem Angst vor deren Fragen. Doch dann habe ich gemerkt: Es gibt einen Unterschied, zwischen dem was eine Masterstudentin weiss und dem, was die fast fünf Jahre Jüngeren wissen.