Wieso Methoden?

Wenige, die das Studium der Politikwissenschaft beginnen, assoziieren dieses Forschungsfeld mit Methoden. Es gibt wohl gar einige, die das Feld auswählen, um Mathematik und Statistik zu meiden. In der Realität ist es aber so, dass man Politikwissenschaft nicht ernsthaft studieren kann, ohne sich mit einer gehörigen Portion Methoden (inklusive Mathematik und Statistik) auseinanderzusetzen.
Wie alle akademischen Disziplinen verwendet auch die Politikwissenschaft eine sorgfältige Methodologie, um Erkenntnisse zu gewinnen. Das unterscheidet sie von informeller Beobachtung oder Expertentum. Um Max Weber zu paraphrasieren: Wissenschaft ist Methode. Das heisst nicht zwingend quantitative Methoden, es heisst auch qualitative Methoden. Aber Methoden als solche sind unumgänglich, denn ohne, werden wissenschaftliche Erkenntnisse schlicht nicht ernstgenommen.

Die Vorteile der Methoden beschränken sich nicht nur auf das Feld der Forschung. Ein einzigartiges Verkaufsargument der Politikwissenschaft ist, dass Erkenntnisse durch die methodologische Verankerung eine höhere Güte aufweisen verglichen mit denjenigen von Journalisten und Journalistinnen oder Beobachtern und Beobachterinnen. Viele fragen sich oft, wieso man Politikwissenschaft studieren solle, wenn man Zeitung lesen könne. Einer der Gründe dafür ist, dass wir wissenschaftliche Methoden verwenden, um zu Erkenntnissen zu gelangen, die diejenigen von Zeitungsartikeln weit übertreffen. Die Methoden verleihen unseren Aussagen Gültigkeit. Genau darum zitieren Journalisten und Journalistinnen sie oft. Mit einer guten methodologischen Ausbildung kann man eine viel überzeugendere Geschichte erzählen als ohne. Das ist mithin ein Grund, warum Methoden am IPZ einen derartigen Stellenwert haben.

Schliesslich verbessern Methoden auch die Chancen im Arbeitsmarkt. Es gibt eine wachsende Nachfrage nach Datenwissenschaftlern/–innen und die Ausbildung, die man am IPZ erhält, kann dabei ein wichtiger Vorteil sein. Die Fähigkeiten in Kommunikation, Theorie und Methoden, welche man sich aneignen kann, führen dazu, dass man Methoden versteht und intelligent anwenden kann sowie dass man sie auf eine Art und Weise präsentieren kann, dass auch Menschen ohne methodologische Ausbildung sie verstehen.

Aber warum braucht es so viel methodische Ausbildung – drei Semester auf BA-Stufe, zwei jeweils auf MA- und PhD-Stufe? Es gibt dafür einen einfachen Grund. Als Disziplin ist die Politikwissenschaft in Sachen Methoden viel ausgefeilter geworden als noch vor einem Jahrzehnt. Damals war es so, dass jede Person mit ein wenig Begabung und der richtigen Motivation in der Lage war, das American Political Science Review oder andere politikwissenschaftliche Journals oder Bücher zu lesen. Diese Tage sind längst vorbei. Politikwissenschaftler/–innen verwenden ein stets wachsendes und komplexer werdendes Repertoire von Methoden (qualitativ wie quantitativ). Um dies zu verstehen, ist Ausbildung gefragt. Die Vorlesungen in Methoden dienen nicht dazu, den Dozierenden sadistisches Vergnügen zu bereiten. Die Vorlesungen sind da, weil ohne sie ein grosser Teil der Forschungsliteratur unzugänglich bleibt und an eigene Forschung nicht zu denken ist.